|
|
|
P. Aloys Mock OMI
Als "Gast auf Erden" ist P. Aloys Mock "mit mancherlei Beschwerden", aber sicheren Schrittes "der ewigen Heimat zu" gewandert. Die Wanderung begann auf dem katholischen Eichsfeld, in dem Bergdorf Kalteneber, wo er als zweites von neun Kindern das Licht der Welt erblickte. Seine Eltern waren tiefgläubige Bauern, die in harter Arbeit der steinigen Scholle den Ertrag abringen mussten. Tiefe Frömmigkeit und Härte mit sich selbst haben den jungen Aloys geprägt. Er entschied sich für den nicht leichten Beruf des Ordensmannes und zum Priestertum. Mit 13 Jahren verließ er das Elternhaus und kam in die Klosterschule St. Karl/Holland. Drei Jahre Krieg und ein Jahr französische Kriegsgefangenschaft machten ihn in seiner Beufswahl nicht wankend. Kaum aus der Gefangenschaft entlassen, begann er in Hünfeld mit zwei oder drei anderen Heimkehrern das Studium der Philosophie und ging im August 1920 ins Noviziat nach Maria Engelport. Anschließend setzte er in Hünfeld seine philosophisch-theologischen Studien fort und empfing dort aus der Hand des damaligen Generalobern Erzbischof Augustin Dontenwill die Priesterweihe. Da er während der ganzen Scholastikatszeit an einem hartnäckigen Rheumatismus litt, entsandte man ihn in ein wärmeres Klima, ins Apostolische Vikariat Windhoek/Südwestafrika. Unter der Leitung von P. Heinrich Bachmann machte er sich ans Sprachenstudium, Englisch und Nama. Zehn lange Jahre waren ihm die Außenstationen von Gobabis anvertraut, keine leichte Arbeit. Eine angenehme Unterbrechung brachte ihm 1935 der erste Heimaturlaub, in dem er seinem jüngsten Bruder, P. Alfred Mock OMI, die Primizpredigt halten konnte. Nach 13-jähriger Missionstätigkeit in Afrika kehrte er Anfang Oktober 1938 nach Deutschland zurück. Sieben Monate Erholungsurlaub gaben ihm Mut und Kraft, in ein noch schwereres Missionsgebiet zu gehen, in den südamerikanischen Gran Chaco. Im Alter von 44 Jahren fing er noch einmal von vorne an, setzte sich hin und lernte Spanisch und Chulupi. Seine Erfahrungen aus dem früheren Missionsgebiet konnte er hier gut gebrauchen, und er setzte seine ganze Kraft ein. 1939 bis 1950 war er auf der Station Mariscal Estigarribia an der Seite von Msgr. Walter Vervoort. In dessen Abwesenheit vertrat er ihn als „Vicario Delegado“. In der Zeit des Zweiten Weltkrieges und danach war die Mission vollkommen von der Heimat abgeschnitten, die Missionare sahen sich ganz auf sich gestellt, und es war nicht leicht, die Mission am Leben zu erhalten. P. Aloys wurde es nicht zuviel, sich mit einem Bruder ans Steuer des Lastwagens zu setzen und den Nachschub von der Bahn durch die unwegsamen Chacowälder zu fahren. Bei gutem Wetter dauerte so eine Fahrt acht Tage. Aber wehe, wenn es regnete! Da hieß es warten, bis die Sonne einigermaßen die Erde wieder getrocknet hatte. Ebenso gerne wie er den Lastwagen durch die grundlosen Chacoschneisen lenkte, durchpflügte er auch den Acker mit Hilfe von störrischen Ochsen. Aber wie oft musste er auf diesem Gebiete Enttäuschungen erleben! Ackerbau im Chaco ist ein großes Lotteriespiel. Einmal gibt es etwas, ein anderes Mal totale Fehlanzeige, weil der Regen ausbleibt. Um 4 Uhr in der Frühe sah man P. Aloys schon am Altare stehen zur Feier der Messe, und um 5 Uhr war er mit seinen Ochsen unterwegs, um die Morgenfrische auszunützen. Die Zeit der unerträglichen Mittagshitze war mit Studium und anderen Arbeiten ausgefüllt. Die kühleren Abendstunden verbrachte er wieder auf dem Acker. Noch eine andere Arbeit war ihm wichtig und lag ihm auch sehr: Das Bauen. Die Häuser musste man selbst bauen mit dem Material, was es an Ort und Stelle gab. Er übernahm die Leitung, beriet die Indianer, packte aber auch selbst fest zu. Besonderes Vergnügen machte es ihm, in der kühleren Jahreszeit für die Station zu schlachten und Wurst zu machen nach echt Eichsfelder Art, um seinen Mitbrüdern eine angenehme Abwechslung im täglichen Einerlei des Speisezettels zu bringen. Das tat er alles zusätzlich zur eigentlichen Missionsarbeit, die bei ihm keineswegs zu kurz kam: Unterricht geben, Predigten machen, Beichthören, in den Sprachen sich vervollkommnen. Dazu auch noch Arzt und Krankenpfleger sein für alle, die zum Missionar ihr Zuflucht nahmen. Die übernormalen Strapazen hatten an seiner Gesundheit gezehrt. Er zog sich ein schweres Magenleiden zu (Magengeschwür). Lange hielt er es geheim. Dann schickte ihn sein Oberer nach Asuncion. In der Nacht vor der Operation erlitt er einen gefährlichen Herzinfarkt. Zwei Monate blieb er ans Bett gefesselt und ernährte sich von Milch und Zwieback. Diese Liegekur und Diät kurierten ihn besser als eine Operation. Einen kurzen Versuch, in die Chaco-Mission zurückzugehen, musste er bald wieder aufgeben. Aber sein fester Wille und ständiges Üben brachten ihn bald so weit, dass er eine Arbeit in der Kolonie Independencia übernehmen konnte. Die gute Pflege und der Humor von P. Breuer gaben ihm neuen Mut und auch die Kraft zu anderen Arbeiten. In Asuncion übernahm er die Verwaltung der Finanzen des Vikariates. Dann wagte er sich sogar an die Übernahme einer neuen Tätigkeit, nämlich die Seelsorge der Auslandsdeutschen in Asuncion. Immer wieder wollte er schaffen. 1955 suchte er während seiner Ferien in Deutschland seine Gesundheit wieder zu kräftigen in Bad Nauheim. Es ging ihm auch zunächst besser. Aber auf dem Generalkapitel 1959 in Rom, wohin ihn das Vertrauen seiner Mitbrüder als Delegierten entsandt hatte, packte ihn ein neuer Schwächeanfall. Nach dem Kapitel suchte er wieder in Bad Nauheim Genesung. Doch diesmal stellte sich die erhoffte Besserung nicht ein. Trotz allem zog es ihn wieder heim nach Südamerika. Zwei Jahre hat er noch durchgehalten, aber es wurde ihm schwerer und schwerer. Immer wieder musste er sich zu Bett legen und ausruhen, aber immer wieder raffte er sich auf zur Arbeit. 1962 packte ihn die Krankheit wieder so, dass er selber einsah: Es geht nicht mehr. Er brauchte ein milderes Klima und kehrte in die deutsche Heimat zurück. Doch auch hier wollte er nicht ohne Arbeit sein. P. Provinzial schickte ihn nach Aufhofen. Dort übernahm er den Posten des Beichtvaters am "Käppele" und half sonn- und feiertags, indem er einmal im Käppele und ein zweites Mal in der Filiale Birkenhardt die Messe mit Predigt hielt. Das war allerdings bald zuviel für seine schwache, angeschlagene Gesundheit. Nach anderthalb Jahren waren seine Kräfte so gut wie verbraucht. Aber zur Ruhe wollte er sich immer noch nicht setzen. Er zog auf einen leichteren Posten ins Kinderheim zu Marwang (Chiemgau). Hier gewann er bald die größte Sympathie bei den Schwestern und der Geistlichkeit der Umgegend, wiewohl letztere keine seelsorgliche Aushilfe in ihren Gemeinden von ihm erwarten konnten. Trotz bester Pflege durch die guten Schwestern. ließen seine Kräfte mehr und mehr nach. Ein Schlaganfall am Vorabend seines Namenstages machte ihm jede Arbeit unmöglich. Trotz Arthritis in den Knien und Füssen schleppte er sich immer wieder zum Altar, weil er die Schwestern nicht ohne Gottesdienst lassen wollte. In den Sommerferien 1966 versuchte er das Letzte: eine Kur im Schwefelbad Aachen, - doch ohne Erfolg. Seit dem Herbst 1966 gehörte er dann zum Hause Hünfeld. Während der dortigen Umbauarbeiten war er im ruhigen Engelport, wo ihn sein Bruder Alfred ganz in Pflege nahm. Ein Jahr durfte er noch im restaurierten Hause Hünfeld sein. Seine Mitbrüder bewunderten den stillen Mann aufrichtig, dem man das schwere Leiden ansah. Die letzten fünf Jahre konnte er nur noch im Fahrstuhl sitzend konzelebrieren. Drei Monate vor seinem Tod musste er auch darauf verzichten. Fünf lange Jahre nur Leiden, Schmerzen, Angewiesensein auf andere, - und er hatte doch das Tätigsein so geliebt -, ohne auch nur zu klagen, ohne lästig fallen zu wollen, hatten ihn heranreifen lassen für den letzten Gang. Bei seinem Tode konnte eigentlich keiner trauern. Jeder sagte sich: Nun hat er ausgelitten. Auf dem Klosterfriedhof zu Hünfeld ruht er jetzt aus von allen Strapazen, Mühen und Leiden. Gott gebe ihm die ewige Ruhe und vergelte ihm alles, was er in seinem Leben getan und gelitten! R.I.P. P. Georg Lippold OMI |
